Priester in der Fokolar-Bewegung

Christoph Baumgart

Gemeindepfarrer in Osnabrück für drei Gemeinden mit insgesamt 10.500 Mitgliedern, davon 1000 Gottesdienstbesucher mit jährlich 86 Taufen, 38 Trauungen und 66 Beerdigungen

Das war sicher mein einschneidenstes Erlebnis: In Hans-Jürgen Obermeyer, der im Urlaub verschollen ist, (m)einen Bruder zu verlieren. Wir kannten uns seit 24 Jahren, neun Jahre hatten wir im selben Pfarrhaus gewohnt, durch ihn hatte ich die Spiritualität der Fokolar-Bewegung kennen gelernt. Dann war er plötzlich weg, und ich blieb alleine zurück.

Fokolarpriester Christoph Baumgart im Porträt

Immer wieder komme ich an diesen gewissen Punkt, nämlich allein zu stehen, ohne alleine zu sein. In der Oberstufe war ich damals in Bremen der einzige praktizierende Christ und habe viele für Demos und Aktionen begeistert. Im Krankenhaus in Lingen nach meinem Theologiestudium war ich plötzlich, als der damalige Seelsorger versetzt wurde, allein mit 500 Kranken und konnte vielen einen Zugang zum Glauben vermitteln. Als Studentenpfarrer hatte ich zu Beginn meiner Tätigkeit einen einzigen Studenten im Gottesdienst. Acht Jahre später verließ ich eine blühende Gemeinde.

Alles, was in meinem Leben gewachsen ist, kam aus dem Nichts. In der Spiritualität der Fokolar-Bewegung habe ich die lang ersehnte Antwort auf die wichtigste Frage in meinem Leben erhalten: Was ist mit dem Schmerz? Das Geheimnis heißt: den Schmerz anschauen, Gott schenken und dazu übergehen, die Menschen zu lieben.

Darauf erschloss sich mir das Leben nach dem Modell der Dreifaltigkeit, was für mich heißt, jeder Mensch ist immer Gebender und Empfangender zugleich. Ob ich mit Jugendlichen ein "Totalexperiment" mache, d.h. von Freitag bis Sonntag gilt statt HABEN das Zauberwort GEBEN - oder die Dienstbesprechung leite, in der jeder gibt, was er sagt, immer kommt eine Dynamik in Gang, die mich selber fasziniert und andere glücklich macht.

Vor kurzem habe ich nun die dritte Gemeinde übernommen. Damit bin ich verantwortlich für einen großen Mitarbeiterstab und sehe ein Meer an Aufgaben vor mir. Gott begegnet mir hier in der nüchternen Wirklichkeit, nicht im Halleluja. Ich habe mir für diese neue Phase nichts Besonderes vorgenommen, sondern bemühe mich das ganz Normale auf besondere Weise zu tun.

mail senden an chr.baumgart(at)web.de

Impressum · Webmaster