Priester in der Fokolar-Bewegung

Gottfried M. Graaf

Pfarrer in Gangelt

Als kleiner Junge fand ich meinen Vornamen fürchterlich. So hieß doch überhaupt niemand. Heute ist er mir wichtig und bedeutungsvoll geworden.

Ich weiß nicht, ob die Parallelität zu gewagt ist. Ich fand auch die Fokolar-Bewegung fürchterlich - als junger Priester. Die Leute sprachen immer von Liebe und ansonsten hatten sie einen Knall. Und heute gehöre ich mit Herz und Seele dazu.

Fokolarpriester Gottfried M. Graaf im Porträt

Ja, so kann das Leben spielen. Priester werden wollte ich auch nicht. Es war eigentlich mehr der nicht ganz geheime Wunsch meiner Großmutter. Das konnte mich zwar nicht beeindrucken, denn meine Lebensplanung sah Heirat und Familiengründung vor. Aber Gott hatte andere Pläne. Mit 14 Jahren klopfte er zum ersten Mal bei mir an. Mit 19 Jahren kam die zweite Einladung von seiner Seite. Ich tat den Schritt zum Priestertum ohne Angst, weil klar war, dass es so gut für mich ist. Gott war da und wollte mein Leben ganz. Ich schenkte es ihm.

Dass ich als Weltpriester wirken sollte, verstand ich nach und nach. Hier hat Klaus Hemmerle, der damalige Bischof von Aachen, der regelmäßig ins Priesterseminar Collegium Leoninum kam, seine Wirkung auf mich nicht verfehlt. Durch ihn fiel der Gedanke der gemeinschaftlichen Spiritualität tief in mich hinein. Ja, das wollte ich.

Ich merkte bald, dass ich als Priester nur gut leben konnte, wenn ich mit andern in Weggemeinschaft bin. Die räumliche Nähe zu andern Priestern war schon eine gute Voraussetzung, aber sie reichte nicht aus. Nur in der gelebten Einheit, im konkreten Miteinander, im Geben und Nehmen, sich Verschenken und Empfangen fand ich das, was ich suchte: die Atmosphäre des Himmels zum Anfassen und Austeilen.

Das ist in meinen Augen das größte Geschenk, das die Kirche durch das Charisma des Fokolars erhält: die Gegenwart Jesu unter den Menschen "so ganz normal", im Alltag.

mail senden an gottfried.graaf(at)weggemeinschaft-gangelt.de

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