Priester in der Fokolar-Bewegung

Gerhard Bauer

Priesterseelsorger in der Diözese Augsburg und Koordinator für geistliche Begleitung

Im Tiefsten sehe ich meine Berufung darin, ein Werkzeug der Liebe Gottes zu sein. Die Beschäftigung mit einem Gott, der Liebe ist, durchzieht wie ein roter Faden meine ganze Verkündigung. Heute bin ich dankbar für diese innere Gewissheit, die sich mit meinem angeborenen Grundoptimismus paart.

Fokolarpriester Gerhard Bauer im Porträt

Mit 27 Jahren – ich hatte fünf Jahre zuvor im Studium in Rom die Fokolar-Bewegung kennen gelernt – hatte ich den Eindruck, alle Sicherheiten zu verlieren. Ich befasste mich damals in Vorbereitung auf meine Dissertation über die politische Theologie von Johann Baptist Metz mit grundlegender Literatur, die Gott als den Anderen, Fernen, Weltabgewandten beschrieb. Ich geriet in eine Glaubenskrise. War Gott vielleicht wirklich nur am Horizont der Hoffenden und kein wirkliches Gegenüber meines Lebens?

Ein Gespräch mit meinem Freund Toni Weber half mir aus dem Dunkel. Ich verstand, dass ich meine Freiheit nur erhalten und leben konnte, wenn ich bereit war, mich stärker zu binden. Dieses existenzielle Erlebnis bestätigte sich viele Male. Auch wenn ich gerne allein bin, die Natur genieße, die Vögel beobachte oder in den Bergen wandern gehe, um mich zu erholen, so verdanke ich doch einen entscheidenden Teil meiner inneren Zufriedenheit dem Zusammensein mit den Mitbrüdern.

Seit 1987 wohne ich in der ökumenischen Siedlung Ottmaring bei Augsburg. Ich lebe in einer Gemeinschaft von sechs Priestern, von denen ich der Jüngste bin. Und bin dieses Jahr 70 Jahre alt geworden und weiter aktiv in meinem Engagement der geistlichen Begleitung und Priesterseelsorge. Dabei muss ich viel reisen und bin oft unterwegs. Wenn ich dann nach Hause komme und von meinen Mitbrüdern erwartet werde, spüre ich Heimat.

Zurückblickend kann ich sagen: ich bin dankbar für mein Leben. An den Kindertraum, Lokomotivführer zu werden, schloss sich schon als kleiner Junge der Wunsch an, für Gott zu leben. Ich wurde geprägt von der Ordensgemeinschaft in St. Ottilien, wo ich noch heute gern zu Exerzitien weile. Ein Leben im Orden als Missionar zog mich an. Der Aufbruch des Konzils während meines Studiums in Rom hat mich geprägt.

Verbracht habe ich mein Leben anders als geplant. Oft waren Entscheidungen gefragt oder Aufgaben anzunehmen, zu denen es eine echte innere Überwindung brauchte. Ich war in Brüssel mit dem Aufbau des Büros der europäischen Bischofskonferenzen betraut, war in Bonn im Zentralkomitee der deutschen Katholiken tätig und acht Jahre Spiritual in Augsburg. Die gute Erfahrung, mich auf den Rat und das Vertrauen der Mitbrüder verlassen zu dürfen, hat mich immer getragen. Heute sehe ich das Leben wie einen Apfel, in den ich mit Wonne beißen darf.

mail senden an info(at)pfarrei-ottmaring.de

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