Priester in der Fokolar-Bewegung

Ansgar Hawighorst

„Einfacher Pfarrer“ in Wedel

Das Jahr 2008 hat viele Veränderungen für mich gebracht. Nach 13 Jahren ging durch den Beginn des Ruhestandes von Pfarrer Ewald Gnatzy unsere Wohngemeinschaft zu Ende, die mir sehr gut getan hatte. Kurzfristig anberaumte Umbaumaßnahmen des Pfarrhauses in Neugraben, wo ich bis zum Antritt meiner neuen Stelle zu bleiben gedachte, zwangen mich, in wenigen Tagen meinen Haushalt einzulagern und ‚Asyl’ bei Stefan Langer in Elmshorn zu suchen.

Fokolarpriester Ansgar Hawighorst im Porträt

Diese ‚Beweglichkeit’ kam mir auch zugute, als ich einen dreimonatigen Kurs zur Vertiefung der Spiritualität der Fokolare in Loppiano, in der Nähe von Florenz, an einem Zentrum für Priester und Seminaristen besuchte. Ich weiß von mir, dass ich eigentlich ganz gut alleine zu Recht komme. Nun war ich plötzlich mit 30 Personen aus 16 Nationen zusammen, teilte ein Zimmer mit John aus Uganda, unterzog mich einem fest strukturierten Tagesablauf mit Gebet, Meditation, körperlicher Arbeit, Vorträgen und Erfahrungsaustausch und lebte nicht nur in ideeller, sondern auch finanzieller Gütergemeinschaft. Was mich dazu bewegte und mir den Mut gab, nach der ersten Woche nicht wieder abzufahren, war, Gott in allen Aspekten des Lebens zu suchen und in der Gemeinschaft zu entdecken.

Diese „Schule der Gemeinschaft“ hat mich für einen neuen Platz vorbereitet. Ich hatte darum gebeten, vom Dienst als Personalreferent entpflichtet zu werden. Nicht aus Dienstmüdigkeit oder aus Frust. Ich hätte nach der schwierigen Phase der Konsolidierung im Erzbistum Hamburg und den erfolgten anstehenden Wechsel in Sekretariat und Ausbildungsleitung nun ruhig meiner Pensionierung als Personalreferent entgegensehen können. Aber ich wünschte mir einen Wechsel für mich und für das Bistum. Ich bat darum, wieder „einfacher Pfarrer“ zu werden, weil Pfarrer gebraucht werden und ihr Dienst lebensnah ist. Nach dreijährigem „Bitten“ gab Bischof Werner dann meinem Wunsch nach.

Obwohl ich ihm eine Liste von Gründen vorgelegt hatte, die dagegen sprachen, hatten ich vor 18 Jahren die Entscheidung von Bischof Ludwig, mich in das Amt des Personalreferenten zu berufen, als Willen Gottes für mich gesehen. Diese Freiheit wollte ich mir auch gegenüber Bischof Werner bewahren. Ich äußerte meine Wünsche, wäre aber auch bereit gewesen, zu bleiben.

Der Rückblick erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Ich habe heilig mäßige Menschen kennen gelernt, habe in Abgründe geschaut, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte, habe hautnah erlebt, dass die Kirche nicht in unserer Hand, und bei aller Not doch in guten Händen. Das hat mich im Glauben wachsen lassen.

Seit dem 14. Dezember bin ich Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist Wedel mit den Gemeinden Wedel und Uetersen am Rande von Hamburg. Was ich in den vergangenen Jahren meinen Brüdern zumuten musste, erlebe ich nun am eigenen Leib. Das erlaubt mir eine sehr brüderliche Verbindung zu ihnen. Montags treffe ich mich mit den Brüdern im Fokolar. Das ist für mich eine wichtige Kraftquelle.

Die Rückkehr an die "Front" bekommt mir gut. Als Domkapitular wurde ich emeritiert. Der schlichte Dienst mit all seiner Mühsal und Alltäglichkeit macht mir Freude, besonders die Begegnung mit Menschen in allen mögliche Lebenssituationen. Ich habe schon viele von Gott berührte Menschen kennen lernen dürfen.

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