Priester in der Fokolar-Bewegung

Christian Hennecke

Regens des Bischöflichen Priesterseminars in Hildesheim

Ich war 18 Jahre alt. Da entdeckte ich eines Morgens in unserem Familienbriefkasten eine Einladung. Absender war eine mir unbekannte Organisation... die Bewegung der Fokolare. Es war eine Einladung zu einem Jugendtag. Nach langen Hin und Her bin ich hingefahren. Ich hatte eine Vorahnung: das wird schwierig. Ich kenne niemanden. Ich werde da alleine rumhängen.... Es war ganz anders, als ich am Abend heimfuhr. Den ganzen Tag habe ich mit Gesprächen verbracht es war einfach unglaublich. Und irgendwie war da Gott gewesen. Ich wusste in meinem Herzen: das hatte ich immer gesucht, die Nähe Gottes.

Fokolarpriester Christian Hennecke im Porträt

Und damit begann ein Abenteuer, das Abenteuer meines Lebens. Ich entdeckte die Heilige Schrift, ich entdeckte, dass Gott mein Vater ist, ich entdeckte Gemeinschaft, ich entdeckte... meine Berufung zum Priestertum.

Nach Weihe und Promotion wurde ich Pfarrer im Bistum Hildesheim. Mich bewegte die Frage, wie Gott die Kirche heute führt und verwandelt. Ich musste einfach darüber nachdenken, was ich so erlebte, was ich so tat - was sich in der Kirche tat... Und so kam es, dass ich begann, Bücher zu schreiben. Erst "Sieben fette Jahre" und dann die "Kirche, die über den Jordan geht": ich verstand immer mehr, dass das ein Beitrag ist, den ich schenken kann: mit anderen darüber nachdenken, wie Gott sein Volk führt. Das begeistert mich sehr und macht mir Freude.

Seit einigen Jahren darf ich im Bistum mitwirken an der Neugestaltung des pastoralen Lebens. Ich fühle mich sehr beschenkt, denn es gilt die vielen Aufbrüche zu begleiten, die Gott seiner Kirche auch heute schenkt: Menschen, die Christen werden, die ihr Christsein vertiefen wollen, Gemeinschaften, die sich auf Gott einlassen, vieles...

Im Laufe der vergangenen sieben Jahre habe ich mich intensiv mit einem Ansatz der Pastoral befasst, der aus Südafrika und Indien seinen Weg in den deutschprachigen Raum gefunden hat: die Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Was mich dabei immer mehr faszinierte, hängt auch mit meiner Geschichte zusammen. Ich fand in diesem Ansatz wieder, was mich mein Leben lang prägen wird: dass Gott lebendig ist in der Gemeinschaft derer, die um sein Wort versammelt sind und dass aus dieser Erfahrung heraus Kirche neu wird. Was mir in der Spiritualität des Fokolars unendlich wichtig geworden ist, das kann ich hier in einer allen zugänglichen Weise pastoral umsetzen. Wirklich ein großes Geschenk und eine große Leidenschaft!!

Kleine Christliche Gemeinschaften sind ein basiskirchlicher katholischer Ansatz, und ich bin sicher, dass es noch Jahre und Jahrzehnte braucht, bis sich dieser Weg Bahn brechen wird. Aber genau das ist ja das göttliche Pastoralabenteuer, das vor der Kirche liegt.

Und ich bin dankbar, dass ich durch das Charisma des Fokolars einen Weg in der Kirche leben darf, der mich in diesem wunderbaren Abenteuer begleitet.

Seit zwei Jahren bin ich im Priesterseminar Hildesheim als Regens tätig. Das ist eine große Herausforderung: wie können heute Priester in ihrem Dienst unterstützt werden. Wie können Seminaristen und Priester mit einer mutmachenden Perspektive ihren Dienst tun? Welche Voraussetzungen braucht es, damit junge Männer gute Priester werden können? Für mich ist das ein Lernweg, auf dem ich in vielen Gesprächen mit Priestern und Seminaristen gemeinsam bin. Der Weg ist nicht immer eben, aber es ist ein erfüllender Weg.

mail senden an christian.hennecke(at)bistum-hildesheim.de

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