Priester in der Fokolar-Bewegung

Hans Schweiger

Leiter eines Pfarrverbandes mit 7.000 Katholiken

Fokolarpriester Hans Scheiger im Porträt

Die Fokolar-Bewegung habe ich 1975 kennen gelernt. Ich hatte den Eindruck, einem lebendigen Christentum zu begegnen, das zugleich ganz in der Kirche zu Hause ist. Auf einer gemeinsamen Fahrt zu einem Festival nach Rom habe ich einen Jugendlichen erlebt, der spontan zuerst an die andern dachte und dann an sich. Das hat mich schwer beeindruckt.

Neu war mir, dass das Evangelium im Alltag gelebt werden kann. Zuvor empfand ich immer einen gewissen Bruch zwischen Glaube und Alltag. Dieser Bruch erschien mir durch die Praxis des gelebten Wortes überwunden.

Seit über zehn Jahren lebe ich in Gemeinschaft mit andern Priestern, in einer vita communis. Mir war klar geworden, dass ich als Priester zwar zur Ehelosigkeit berufen bin, aber nicht zur Einsamkeit. Wir sind jetzt zu dritt.

Ich bin dankbar für die Erfahrung einer Gemeinschaft, die sich nicht von Sympathie und Antipathie bestimmen lässt, sondern von einer übernatürlichen Erfahrung, nämlich von der Erfahrung, dass der Auferstandene in der Mitte derer erlebbar sein kann, die sich ernsthaft bemühen, das Neue Gebot der gegenseitigen Liebe zu leben – trotz aller Schwächen und Grenzen, die bleiben.

Das gemeinsame Leben fordert zwar auch heraus, aber es ist kein Vergleich zum Vorhergehenden, als ich allein in einem Pfarrhaus lebte. Lieber in Gemeinschaft leben und aufeinander Rücksicht nehmen, als einsam zu sein und dafür sehr viel Freiheit zu haben. Freiheit und Bindung gehören zusammen.

Meinen derzeitigen Gemütszustand würde ich als innerlich angespannt und gleichzeitig zufrieden bezeichnen. Der tägliche halbstündige Spaziergang und Musikhören auf meinem Gartenstuhl…. im Wohnzimmer entspannen mich, wenn ich gestresst bin. Denn wenn ich nicht ausgeglichen lebe, brenne ich bald aus.

Mein Lieblingspunkt der Spiritualität der Gemeinschaft ist „Gott-Liebe“. Ich bin glücklich, weil ich trotz aller Grenzen an einen Gott glauben darf, der mich unendlich liebt. An diese Liebe darf ich auch dann glauben, wenn ich körperlich oder seelisch nicht so gut drauf bin.

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