Priester in der Fokolar-Bewegung

Hubertus Böttcher

Pfarrer und Dechant in Arnsberg, Gehörlosenseelsorger, Schulseelsorger und Leiter eines Pastoralverbundes

Fokolarpriester Hubertus Böttcher im Porträt

Das habe ich gelernt: man muss mit Anlauf hinein springen in die Liebe Gottes und sich von ihr tragen lassen. Wenige Menschen glauben ganz tief an die Liebe. Wir tragen viele Widerstände in uns. Da sind die Stimmen der Angst, der Missgunst, des Vergleichs, der Verdächtigungen.

Wie glücklich ich eigentlich bin, habe ich erst in einer für mich sehr schmerzhaften Situation wahrgenommen. Obwohl ich öfter zu hören bekam, ich sei doch ein echter Sunny-Boy, habe ein freundliches Wesen und immer einen Spaß auf den Lippen, in mir sah es anders aus. Ich fühlte mich, neben Mitbrüdern und Kollegen, irgendwie unbedeutend. Und eines Tages hielt ich es nicht mehr aus und machte meiner Not Luft. Die Antwort eines Freundes begleitet mich heute noch: "Siehst du nicht, wie begnadet du doch bist?" Ja, so ist das mit dem Leben. Man ist reich und glaubt doch arm zu sein. Man hat hundert Schafe und beneidet den Nachbarn um sein einziges Schaf.

Für mich sind meine Freunde aus der Fokolar-Bewegung nicht nur eine freundschaftliche Truppe, sondern es geht um das Einüben in ein göttliches Spiel, wiederholbar mit den unterschiedlichsten Menschen. Wieviele sind mir inzwischen zu echten Schwestern und Brüdern, zu Müttern und Väter geworden!! Ich wende mich den andern zu, ohne an einer vorherigen Beziehung zu klammern und dann... bin ich immer beschenkt. Die Hinwendung zum Andern ist gewissernmaßen mein â??Schlüssel zum Paradiesâ??. Ob es der Schüler ist, der einen Reli-Test schreiben muss, der Gehörlose, mit dem ich versuche zu kommunizieren, die Frau an der Kasse im Supermarkt, ich möchte für die andern ein Stück Mensch sein.

In letzter Zeit ist das glücklich sein nicht mehr so automatisch, wie es viele Jahre für mich war. Ich spüre schon mal Verstimmungen, mein Ausgespannt-Sein zwischen den vielfältigen Aufgaben und Anforderungen. Was vorher Gnade war und mir zugefallen ist, darf ich jetzt immer wieder üben: im Schmerz nicht stehen bleiben, sondern mich einlassen auf eine andere, geschwisterliche Ebene, eintreten ins Licht. Bewusst. Wach. Gelöst.

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