Priester in der Fokolar-Bewegung

Jörg Schlüter

Evangelischer Gemeindepfarrer in Vechta

Früher wollte ich Karriere machen. Das ist nun anders. Heute weiß man: der Schlüter steht für Zusammenarbeit. Das ging nicht von heute auf morgen. In täglicher Kleinarbeit, im Fehler machen und neu Anfangen, im Versuch, das Wort Gottes Alltag werden zu lassen merke ich, wie sich meine Grundeinstellungen verändern. Heute ist der Andere im Vordergrund.

Fokolarpriester Jörg Schlüter im Porträt

Dass Christ-Sein nicht alleine funktioniert, war mir schon immer klar. Aus der kirchlichen Jugendarbeit kommend, spielte Gemeinschaft eine große Rolle für mich. Während der Studienzeit in Hermannsburg lebte ich "automatisch" in der Bruderschaft mit. Nach sieben Jahren war diese intensive Zeit zu Ende. Als ich dann meine erste Pfarrstelle im Kreis Cloppenburg antrat, fühlte ich mich plötzlich richtig einsam und hatte wahrlich nicht die Berufung zum Eremit. Ein monatliches Treffen mit zwei weiteren Pastorenehepaaren endete regelmäßig unbefriedigend in Klagen über unsere kirchlichen Behörden.

Pastor Jörg Schlüter mit seiner Frau Dorotea

Warum bin ich heute bei der Fokolar-Bewegung? Ich habe hier Menschen gefunden, die mir einen neuen Blickwinkel vermittelt haben: von Gott und vom Menschen. Gott hat sich mir gezeigt als einer, der meinen Schmerz kennt, der ihn teilt, der mir in Jesu Verlassenheit am Kreuz sagt, dass er mich versteht ... wenn ich leide an meiner eigenen Unzulänglichkeit, wenn ich Schmerz begegne in der Gemeinde, wenn ich traurig bin über die Stolpersteine für die Ökumene aus Rom. Jesus der Verlassene hat aus mir einen anderen Seelsorger gemacht.

Die Menschen sind anders als ich dachte, angefangen bei meinen Pastorenkollegen. Ich nahm sie wahr als Konkurrenten und entdeckte in ihnen Schwestern und Brüder, die mit mir den Glaubensweg gehen, jede und jeder auf eigene Art. Die Andern können mich korrigieren, mir helfen, in der Liebe zu bleiben. Bei den wöchentlichen Begegnungen im Fokolar geht es nicht um Theologie, sondern um das Leben, um den Umgang miteinander und mit den Gemeinden. Ich schaue gelassen nach vorne, weil ich schon zu viel Gutes erlebt habe.

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