Priester in der Fokolar-Bewegung

Johannes Bold

Leiter der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg

Fokolarpriester Johannes Bold im Porträt

Schon als kleiner Junge war es klar für mich: ich werde Priester. Ich war stark von der Eucharistie geprägt und dem Wunsch der Verkündigung. Doch erst im Studium, als ich die Fokolar-Bewegung kennen lernte, erkannte ich die Kraft des Wortes, die wandelt. Und die brauche ich täglich, wenn es darum geht, den Menschen ohne Vorurteile zu begegnen oder einfach ohne Gleichgültigkeit.

Neu war für mich auch, obwohl ich aus einer Gemeinde mit intensiver Jugendarbeit kam, dass Jugendliche sich treffen, deren Grundlage die Freundschaft in Gott ist. Sie sprachen darüber und thematisierten ihre Erfahrungen mit diesem Gott. Das faszinierte mich.

Wenn ich gefragt werde, ob ich mich alt fühle – immerhin liegt meine Weihe nun bald vierzig Jahre zurück – kann ich guten Gewissens verneinen. Ich unterrichte regelmäßig in der Schule und erlebe, dass viele Lehrer vor dem Pensionsalter gehen. Ich fühle mich ganz schön jugendlich, und die Kinder lassen mich mein Alter nicht spüren.

Kürzlich grüßte mich eine Gruppe von Kindern, die vor der Kirchtüre saßen, von weitem schon ganz freudig. Früher hätte ich wohl ganz beiläufig zu ihnen gesagt: „Hey, ich habe euch seit der Erstkommunion nicht mehr in der Kirche gesehen, ihr könntet doch mal vorbei kommen.“ Heute bin ich vorsichtiger, nicht mehr so forsch.

Das Leben in Kirche und Gesellschaft hat sich sehr gewandelt. Ich habe seit einigen Jahren eine Position, die dem Leiter eines mittelständischen Unternehmens vergleichbar ist. Das Führungsteam der Seelsorgeeinheit mit knapp 14.000 Gläubigen, der ich mit zwei Mitbrüdern vorstehe und für die ich dem Bischof gegenüber verantwortlich bin, besteht aus zehn Personen. Hier will abgesprochen, geklärt, unterstützt und koordiniert werden. Nur wenn wir in den wesentlichen Fragen übereinstimmen, zum Beispiel in den Schwerpunkten der Pastoral, können wir die Gemeindearbeit leisten. Es ist schön, die Vielfalt an Projekten und die Früchte zu sehen, die das ständige Bemühen um Einheit mit sich bringen.

Persönlich betroffen bin ich immer dann, wenn ich erlebe, wie schwer es ist, den Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln. Da helfen keine gewandten Worte und keine bestimmten Gesten. Es kann nur Gott sein, der ankommt. Ich kann nichts retten. Gott muss retten.

mail senden an johannes.bold(at)se-wh.de

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