Priester in der Fokolar-Bewegung

Paul Schmitz

Ein Lebensbild von Wilfried Hagemann

Paul Schmitz fand zur Spiritualität der Einheit durch seine Kontakte zu Reiner Stein, Georg Kelz und Theo Babilon. Diese drei Priester haben ihm den Weg geebnet, dass er 1975 – mit 50 Jahren – das Ideal von Chiara Lubich kennen lernen konnte und zum Entschluss fand, sich ganz persönlich Maria und ihrem Werk zu weihen. Konkret wurde das 1978 bei einem Besuch in Stapelfeld in meinem damaligen kleinen Pfarrhaus. Er wohnte 14 Tage bei mir und wollte sich ausführlich informieren, wie die „Aspekte“ gelebt werden und wie ein Fokolarpriester jene Einheit leben kann, die Jesus im hohenpriesterlichen Gebet seinen Jüngern eröffnet hat.

Er hat sich dann schnell entschlossen, in unsere Priestergemeinschaft einzutreten. Er tat das, wie das ihm eigen war, mit Haut und Haar. Seine innere Transparenz, seine Echtheit und Einfachheit und seine Treue, zu einem Wort zu stehen, das er einmal gegeben hatte, haben ihm dabei geholfen. Er war nicht naiv, er kannte starke Gefühle, er konnte sich ärgern. Es gab auch Tage, wo er sich einfach nicht öffnen konnte. Aber gerade mit dieser Sensibilität wurde er immer feinfühliger für die Einheit und für das Leben mit Jesus in der Mitte. Wenn Paul sicher war, dass Jesus in unserer Mitte ist, dann war es auch so. Seine Schwierigkeiten hat er grundsätzlich einem Bruder offenbart und so überwinden können.

Besonders fällt an ihm seine Bereitschaft zur Gütergemeinschaft auf. Er hat alles, was er besaß in die Mitte gegeben. Dabei hat er sich niemals aufgedrängt und auch nicht viel Aufhebens davon gemacht. Das Foto zeigt ihn mit einigen Bewohnern vor dem Zentrum Frieden in Solingen.

Fokolarpriester Paul Schmitz mit Bewohnern der Siedlung Klaus Hemmerle

Als Pfarrer in Köln-Ostheim war er sehr beliebt. Er scharte viele Leute um sich, auch Personen, die größere Begabungen hatten als er. Wegen seiner Demut konnte er mit vielen Menschen Kontakte aufbauen und halten. So auch zu jenem Bischof in Peru, den ein Mitglied seiner Gemeinde ihm als hilfsbedürftig gezeigt hatte. Noch in Solingen besuchte ihn dieser Bischof regelmäßig. In seiner Gemeinde entstand eine lebendige Pfarrbewegung: Personen, die sich am Wort Gottes orientieren und mit ihm gemeinsame Sache für Gott machten.

Ich erinnere mich, dass ihn einmal ein schweres Problem belastete. Seine Gemeinde hatte für bedürftige Familien Ländereien frei gemacht und Grundstücke zur Erbbaupacht freigegeben und erschlossen. Eine Familie konnte am Ende das Grundstück nicht behalten, weil sie in wirtschaftliche Not geraten war. Der Kirchenvorstand wollte die eingezahlten Beträge zur Erschließung des Grundstücks nicht zurückgeben. Dies betrübte Paul sehr, aber er wollte sich nicht gegen seinen Kirchenvorstand durchsetzen. Mit dieser Sorge kam er zu uns ins Fokolar. Wir überlegten und meinten, dass der Familie kein Schaden entstehen sollte. Wir schlugen ihm vor, um eines echten Friedens willens, die Forderung des Kirchenvorstands – einen Betrag von 1000 DM – aus eigener Tasche, das heißt aus unserer Gütergemeinschaft, zu tragen. Umso erstaunter waren wir, als er einen Tag später in seinem Briefkasten einen Briefumschlag fand, der 100.000 DM enthielt. Auf dem Umschlag stand: zur freien Verfügung des Pfarrers. Er hatte das 100-fache erhalten.

Als für ihn das 65. Lebensjahr gekommen war, spürte er stark, um den Ruhestand bitten zu sollen. Er wollte aber noch Dienst in der Kirche tun und stellte sich für die Mitarbeit im Zentrum „Frieden“ in Solingen zur Verfügung. Hier trat ein ernster Konflikt in sein Leben. Seine leibliche Schwester Agnes, die ihm bis dahin den Haushalt geführt hatte und selbstverständlich damit gerechnet hatte, dass sie bis zum Lebensende bei ihm bleiben könne, konnte sich ein Leben in Solingen nicht vorstellen. Für Paul war es in diesem Falle wichtig, mit seiner Schwester bis auf den Grund zu gehen, klar mit ihr zu reden und auch ihre Bedürfnisse zu sehen. Er stellte ihr frei, in die eigene Familie zurückzukehren, ins Bergische. Er selbst blieb dem inneren Ruf, nach Solingen zu gehen, treu. Wie groß war seine Freude, als sich seine Schwester entschloss, doch nach Solingen zu ziehen. Es tat immer gut, die beiden zu erleben und ihre Gastfreundschaft zu genießen.

Paul hat uns deutlich machen können, dass er einen gewissen eigenständigen Raum bräuchte, dass er eigene Bedürfnisse hätte und nicht einfach irgendwo in „einer Ecke“ mitleben könne. So fanden wir eine Wohnung für ihn ganz in der Nähe des Zentrums. Die Bewohner dieses Hauses haben stark von der Präsenz von Paul gelebt. Auch die Kinder in diesem Haus schätzten seine Gegenwart, seine Freundlichkeit, seine Zugewandtheit.

Als sich immer wieder gesundheitliche Grenzen zeigten, zog er in das Altenheim, in dem schon Georg Kelz wohnte. In all den Jahren spürte man auch die Beschwernisse, die mit seinem früheren Leben zu tun hatten. 1925 geboren, war Paul als junger Mensch Soldat geworden und hatte über vier Jahre am Zweiten Weltkrieg teilnehmen müssen. 1944/45 trug er bei einem Monate langen Marsch schwere Verletzungen an seinen Füßen davon, sodass er mit einem Lazarettschiff von Ungarn aus nach Regensburg gebracht wurde. Glücklicherweise überstand er diese Krankheit und kam relativ bald nach Kriegsende zurück nach Köln mit der klaren Erkenntnis, Priester werden zu wollen. 1956 wurde er geweiht.

In Herzen von Paul lebte eine große Sehnsucht nach Gott und eine tiefe Spiritualität. Vor zwei Jahren, da war er schon im Altersheim und auf ständige Pflege angewiesen, wollte Paul noch einmal Exerzitien machen. So holten wir ihn nach Münster in eine Kurzzeitpflegestation der Raphaelsklinik. Ich erinnere mich gern und deutlich an die täglichen Treffen, an die Vorträge für ihn und Reiner Stein, den tiefen Austausch und die Freude an Gott und am Evangelium. Das Lächeln auf Pauls Gesicht, wenn Gott ihn berührte, ist für mich unvergesslich. Damals war für ihn schon klar, sich jederzeit bereit zu halten für den Tod und für den Übergang in das neue Leben.

Sein Fokolar, mit Friedel Graaff, Renovat Nywandi, der aus Burundi stammt, dem evangelischen Diakon Gerhard Schwarz, Rolf Hannig und Reiner Stein war für Paul in seinem letzten Lebensjahr der zentrale geistliche Halt. Hier fand er auch nach einem Schwächeanfall in einem tiefen Gespräch mit Friedel Graaff die Kraft, sich dafür zu entscheiden, beim bevorstehenden Lebensende auf jegliche Apparatemedizin zu verzichten.

Seine langjährige Haushälterin Kläre Oligschlaeger und seine Nichte haben diesen Wunsch beachtet. Darum konnte er am 23. Januar 2011, dem Todestag von Klaus Hemmerle, in Frieden heimgehen.

Paul Schmitz war eine Seele von Mensch. Er war mit vielen Menschen verbunden. Sein Goldenes Priesterjubiläum und sein 85. Geburtstag waren Feste, bei denen sich viele Menschen einfanden, um zu danken.

Foto: Maria Kny

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