Priester in der Fokolar-Bewegung

Ich wollte keine "Sofageschichen" erzählen

Winfried Baetz über den Priesterfilm "Mystik der Gemeinschaft"

Winfried Baetz, TV-Journalist und freier Produzent von Fernsehbeiträgen, hat sich auf ein low-budget-Projekt eingelassen, zugleich ein doppeltes Wagnis: Er war überzeugt, dass es möglich ist, in einem spannenden Film über Bilder und Menschen publizistisch unhandliche Themen wie Liebe, Gemeinschaft und Spiritualität zu transportieren. "Wie Gemeinschaft im Alltag "funktioniert", interessiert alle Menschen, da fehlen uns historisch Vorbilder". So entstand der Film über Priester in der Fokolar-Bewegung mit Porträts von neun Lebensgemeinschaften in drei Ländern: 90 Minuten nah dran an sehr individuellen, normalen und doch ein bisschen verrückten Typen.

Filmemacher Winfried Baetz

Was hat dich an der Projekt-Idee fasziniert? Warum hast du dich darauf eingelassen?

Ich finde die Frage spannend: wie weit reicht eigentlich Gemeinschaft in und außerhalb von Familie? Was macht sie lebendig? Was macht das "plus" aus, wenn die unterschiedlichsten Menschen darin glücklich sind? Sind es die Regeln, gemeinsame Projekte, die gleiche Mentalität? Wie wollen vor allem Priester, die in der Regel alleine leben, anderen in Krisensituationen helfen?

Ein Dokumentarfilm lebt ja von Bildern und Situationen, die mit wenig Textinformation verknüpft werden. Da ich das konkrete Zusammenleben jeweils nicht kannte, nicht wusste, wie die Priester drauf sind, war nicht abzusehen, ob die Details, die ich mit meinem Kameramann Peter Klein filmte, auch repräsentativ sind.

Wie hast du die Priester erlebt?

Priester verstehen sich ja zunächst als "Männer des Wortes". Sie wurden nun ohne Vorbereitung von einem Filmteam einen "normalen" Tag lang in allen Situationen beobachtet. Dabei habe ich festgestellt: Es sind keine überspannten Typen, die sich grämen oder verzweifeln an den doch schwierigen Situationen in Kirche oder Gesellschaft. Sie können loslassen, fröhlich bleiben, herzlich, weil sie auch etwas Interessantes erleben, etwas vorzuweisen haben. Sie waren aufgeschlossen, zugänglich, jeder einzelne auf seine Art und jede Gruppe. Diese Wahrnehmung habe ich durch Gemeindemitglieder bestätigt gefunden.

War es wirklich ein spontanes Agieren oder sind manche Szenen auch einstudiert?

Es gab gerade zu Beginn Situationen, in denen die Priester, auch ohne den Halt eines Talars sozusagen, zunächst etwas steif wirkten. Das legte sich aber in der Regel nach der ersten Stunde. Natürlich mussten wir auch warm werden. Tatsache ist, dass nur beim ersten Mal die Fragen echt und die Formulierungen spontan sind. Muss man eine Szene wiederholen, verliert sie sofort an Überzeugungskraft.

Die Besprechungen am Vorabend des Drehtages waren immer spannend. Wie kommt rüber, was diese Gemeinschaft ausmacht? Man sieht ja nicht immer wie die Gruppe agiert, wohl aber das Ergebnis. Also, man sieht beispielsweise die ansprechende, moderne Wohnungseinrichtung, die Kunst an den Wänden, ist aber nicht beim gemeinsamen Aussuchen der Möbel dabei. Also braucht man eine Szene, die das gemeinsame Einrichten exemplarisch deutlich macht: Wenn einer etwa dem Mitbruder eine neue Lampe aufhängt, dann geht es um unterschiedliche Geschmäcker, Talente, aber auch darum, konkret füreinander da zu sein.

Wo lagen die Schwierigkeiten? Wie gestaltete sich die Arbeit über die Monate hinweg?

Die Grenzen des Projekts lagen meiner Meinung nach in der Materialfülle. Wir haben die Tage nur zum Teil geplant, mussten meist spontan reagieren, mitgehen und doppelt so viel drehen wie bei einem durchgestylten Drehbuch-Film. Erst beim Sichten des reichhaltigen Materials stellte sich das Profil der einzelnen Gruppe deutlich heraus. Keine Konstellation ist wie die andere, keine Region, kein Aufgabengebiet, keine Gemeinde. Wir wollten die Zwischentöne herausarbeiten, und so ergab jede Station einen eigenen, in sich runden Film, ein bunter Stein in einer Kette.

Was macht den Alltag in seinen verschiedenen Facetten aus, fragten wir uns. Kann man etwa im katholischen Arnsberg in Westfalen zeigen, wie heutzutage Gemeinschaft mit modernem christlichen Background funktioniert, die nach außen ausstrahlt? Es war dort zum Beispiel ein absoluter Glücksfall, dass gerade der behinderte Pfarrer Günter Freitag mit dem indischen Missionar George Kalapurackal in einen Supermarkt ging, um Kerzen zu kaufen. Aber es musste eine bestimmte Kerze sein. Günter hatte seine Vorstellungen, und der Inder hatte eine Engelsgeduld. So etwas kann man nicht planen, es zeigt einfach das Leben. Dann kam plötzlich eine Gruppe von Jugendlichen und begrüßte die beiden spontan zwischen den Regalen, weil sie eine Beziehung zu ihnen hatten und nicht wegen der laufenden Kamera. Da ist alles drin: die global agierende Kirche, die gegenseitige Beziehung, die Faszination der Kids.

Wir wollten auf keinen Fall Sofageschichten erzählen, sondern repräsentative Details eines "normalen" Lebens in Gemeinschaft zeigen. Das war so ein eingefangener Moment.

Die DVD "Mystik der Gemeinschaft" liegt dem Magazin für Pastoral und Seelsorge DAS PRISMA 02/08 bei. Sie ist für 10 Euro (incl. Porto) bei Dr. Wilfried Hagemann erhältlich. Bestellung über Mail, Fax oder Telefon möglich.

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